Ein FSJ in Italien Blog dei volontari
Voller Erwartungen und Vorfreude habe ich mich am 31.08.2025 auf den Weg nach Italien gemacht, doch der Start war nicht so einfach wie gedacht: trotz der herzlichen Begrüßung und all der Sonne in Italien war es sehr schwer, sich an die mental anstrengende Arbeit zu gewöhnen.
Ich konnte noch kein Italienisch und habe zuvor noch nie mit so vielen verschiedenen Menschen mit Beeinträchtigung gearbeitet. Es kam oft zu Kommunikationsschwierigkeiten zwischen den Pflegern und mir und ich habe keinen Mehrwert meiner Arbeit gesehen. Auch jetzt ist die Arbeit oft langweilig, da es nicht so viele Aufgaben gibt und das Putzen ist nicht immer mein liebster Zeitvertreib. Dennoch habe ich mich nun sehr gut eingelebt und es macht sehr viel Spaß hier in der Community zu leben.
Die anderen Freiwilligen waren für mich sehr wichtig. Wir haben viel über die Arbeit gesprochen und uns alle so gut verstanden, dass wir eine tolle Freundesgruppe geworden sind. Oftmals gehen wir zusammen aus oder treffen uns nach der Arbeit. Wir verreisen auch oft zusammen, wie zum Beispiel nach Neapel, Florenz oder Venedig.
Leider mussten wir schon die eine oder andere Mitfreiwillige verabschieden, aber dafür kamen neue in unser Team. Rom bietet natürlich auch unglaublich viele Möglichkeiten etwas zu unternehmen und neue Leute kennenzulernen! In Ciampino gibt es auch viele Fitness- und Sportmöglichkeiten. Ich habe viele neue Sportarten ausprobiert und auch viele Kurse in einigen der Fitnessstudios besucht, was ich zu Hause in Deutschland wahrscheinlich nie gemacht hätte.
Eine Sprachschule hat mir zu Beginn etwas geholfen mich mehr zu integrieren und mit der Zeit hat man sich auch besser an die Arbeitsumstände gewöhnt. Mit einigen der Pfleger baue ich langsam auch ein eher freundschaftliches Verhältnis auf, wodurch die Arbeit auch immer mehr Spaß macht.
Mit den Raggazzi (so heißen die Menschen mit Beeinträchtigung hier in der Community) werden oft Ausflüge gemacht, Feste und Geburtstage werden groß gefeiert und man lebt hier wie in einer großen Familie. Vormittags gehen wir manchmal mit einer kleinen Gruppe in eine Bar, trinken Kaffee und essen Cornetto. Manchmal basteln wir auch oder arbeiten mit Ton. Es ist sehr cool zu sehen, mit wie viel Eifer die Raggazzi ihre Aufgaben wahrnehmen. Es gibt auch eine Band, die jeden Montag eine Probe hat und ab und zu auch zu Auftritten fährt. Die Musik ist ein sehr wichtiger Teil im Leben vieler. Jeden Samstag findet die Messe in unserer Kapelle statt. Dabei wird gemeinsam gesungen und gebetet. Manchmal ist es aber auch schwer, die Raggazzi für eine Aktivität zu motivieren. Dann sitzen wir auch nur gemeinsam auf dem Sofa und schauen TV.
Leider musste ich aufgrund von familiären Umständen immer wieder Deutschland-Urlaube einlegen, weshalb ich oft aus meinem Leben hier im Chicco rausgerissen wurde. Es gab sehr viele Höhen und Tiefen, seitdem ich hier bin, die sehr an mir gezehrt haben.
Dennoch bin ich sehr froh hier in der Arche zu sein, da ich schon jetzt wahnsinnig viel über das Leben gelernt habe und darüber, wie man mit den verschiedensten Menschen umgehen kann. Ich habe mich in der Zeit hier stark weiterentwickelt und bin stolz auf mich, dass ich zu meinen Werten stehe und mich nicht schnell unterkriegen lasse.